Kurz gesagt
Führe generative KI zuerst als engen, dokumentierten Pilot ein. Lege ein freigegebenes Team-Werkzeug fest, teile Eingaben in klare Datenklassen ein, beschränke die ersten Aufgaben und verlange vor jeder externen Nutzung eine menschliche Freigabe.Das brauchst du
Eine verantwortliche Person, ein freigegebener Team-Workspace, eine Liste der Pilotaufgaben, geklärte Zugriffsrechte und Zeit für die Prüfung der Ergebnisse.Nicht das Tool, sondern die Spielregeln zuerst festlegen
Stand: 19. Oktober 2026. Generative KI kann im kleinen Team beim Strukturieren, Umformulieren und Entwerfen helfen. Ohne gemeinsame Grenzen entsteht aber schnell ein Mix aus privaten Konten, ungeprüften Texten und Eingaben, die dort nicht hingehören. Eine kurze Policy ist deshalb kein Bürokratieprojekt. Sie entscheidet vor dem ersten Prompt, welche Aufgabe, welche Daten und welche Freigabe erlaubt sind.
Das BSI ordnet seine Publikation zu generativen KI-Modellen ausdrücklich als Grundlage für eine systematische Risikoanalyse ein. Für ein kleines Team bedeutet das nicht, ein großes Managementsystem nachzubauen. Es genügt, die vorhersehbaren Risiken für den eigenen Arbeitsalltag sichtbar zu machen und Regeln daran auszurichten. 67
Die folgende Vorlage ist eine betriebliche Arbeitsregel, keine rechtliche Einzelfallbewertung. Wenn ihr Daten von Kundinnen und Kunden, Beschäftigten oder Vertragspartnern verarbeitet, prüft zusätzlich eure eigenen Verträge, internen Vorgaben und Zuständigkeiten.
Vor dem Pilot: Daten sichtbar machen
Bevor ein Team KI mit Dateien, Chats oder internen Wissensquellen verbindet, müssen Zugriffsrechte aufgeräumt sein. Ein KI-System kann nur so sorgfältig arbeiten wie die Rechte, die es erhält. Wenn Menschen zu viele Dateien sehen können, kann ein Assistent diese Sichtbarkeit nicht sinnvoll reparieren. Dazu passt der Schritt: Gemeinsame Dateien im Team ordnen.
Passend dazu: Gemeinsame Dateien im Team ordnen
Drei Arbeitsklassen statt langer Verbotsliste
Nutzt für den Einstieg eine einfache Einteilung. Sie ist absichtlich streng: Im Zweifel landet eine Eingabe in der höheren Schutzklasse.
- Grün – freigegeben: Öffentlich verfügbare oder bewusst veröffentlichungsreife Informationen. Beispiele sind ein bereits publizierter Website-Text, ein allgemeines Briefing ohne Namen oder eine neutrale Gliederung. Diese Inhalte dürfen in das freigegebene Werkzeug.
- Gelb – intern: Arbeitsstände ohne vertrauliche Details, etwa eine anonymisierte Themenliste oder ein abstrahierter Prozess. Gelb ist nur zulässig, wenn die verantwortliche Person den konkreten Workspace, die Datenverwendung und die verbundenen Funktionen zuvor geprüft und freigegeben hat.
- Rot – nicht eingeben: Personenbezug, Kundendaten, Zugangsdaten, Schlüssel, interne Sicherheitsinformationen, unveröffentlichte Vertrags- oder Finanzdetails sowie Inhalte, durch deren Kombination Personen oder Vorgänge erkennbar werden. Rot bleibt außerhalb generativer KI, bis es für einen klar abgegrenzten Fall ausdrücklich anders entschieden wurde.
Pseudonyme allein machen einen Text nicht automatisch grün. Wenn Ort, Zeitpunkt, Rolle oder seltene Details eine Zuordnung erlauben, behandelt ihr ihn weiter als rot. Kopiere auch keine API-Schlüssel, Passwörter oder vollständigen Fehlerprotokolle mit solchen Angaben in einen Chat.
Anbieterangabe ist keine Pauschalerlaubnis
Prüfe immer das konkrete Produkt, nicht nur den Markennamen. Relevant sind der gebuchte Tarif, die Art des Kontos, Administrator-Einstellungen, Aufbewahrung, Region, verbundene Dienste und wer im Team zugreifen kann.
Ein Beispiel für diese Unterscheidung: Microsoft beschreibt für Microsoft Copilot, dass Prompts, Antworten und über Microsoft Graph abgerufene Daten nicht zum Training der Basismodelle verwendet werden. Gleichzeitig verweist die Dokumentation darauf, dass Copilot mit den bestehenden Berechtigungen arbeitet und Interaktionsdaten gespeichert werden können. 69 OpenAI beschreibt für seine Business- und Enterprise-Angebote ebenfalls, dass Geschäftsdaten standardmäßig nicht zum Training verwendet werden; die zugesagten Kontrollen gelten jedoch für diese Geschäftsanwendungen, nicht automatisch für jedes private Konto oder jede Zusatzfunktion. 58
Leite daraus eine praktische Regel ab: Nur der benannte Team-Workspace ist erlaubt. Private Accounts, unbekannte Browser-Erweiterungen und selbst aktivierte Verbindungen zu Dateien oder E-Mail bleiben außen vor, bis sie geprüft wurden.
Die kopierbare Mini-Policy für dein Team
Du kannst den folgenden Text als Ausgangspunkt in euer Handbuch, Wiki oder Onboarding übernehmen. Er ist bewusst kurz genug, um gelesen zu werden, und konkret genug, um bei Unsicherheit eine Entscheidung zu ermöglichen. Ersetze nur die Bezeichnungen in eckigen Klammern durch eure Angaben.
Mini-Policy: Generative KI bei [Teamname]
Zweck: Wir nutzen generative KI ausschließlich, um erlaubte Arbeitsentwürfe zu erstellen, zu strukturieren oder zu überarbeiten. Die Verantwortung für Inhalt, Entscheidung und Veröffentlichung bleibt bei Menschen.
Erlaubtes Werkzeug: Wir verwenden nur [Name des freigegebenen Team-Workspace] mit einem von [verantwortliche Rolle] verwalteten Teamkonto. Private Konten und nicht freigegebene Erweiterungen sind für Arbeitsinhalte nicht erlaubt.
Datenregel: Grüne Inhalte dürfen eingegeben werden. Gelbe Inhalte benötigen vor der ersten Nutzung die Freigabe von [verantwortliche Rolle]. Rote Inhalte werden nicht eingegeben, hochgeladen oder über verbundene Quellen bereitgestellt.
Erlaubte Aufgaben: Entwürfe für interne Struktur, Varianten eines bereits freigegebenen Textes, Zusammenfassungen grüner Quellen, Ideenlisten und sprachliche Überarbeitung.
Nicht erlaubte Aufgaben: Automatische Entscheidungen über Personen, Rechts-, Gesundheits- oder Sicherheitsbewertungen, das Versenden oder Veröffentlichen ohne menschliche Prüfung sowie die Verarbeitung roter Daten.
Freigabe: Vor Weitergabe nach außen prüft eine namentlich zuständige Person Fakten, Quellen, Ton, Datenklasse und mögliche Folgen. KI-Ausgaben werden nicht ungeprüft übernommen.
Besprechungen und Aufzeichnungen: Keine Person startet verdeckte Mitschnitte oder KI-Notizen. Vor einer Aufzeichnung werden Zweck, beteiligtes Werkzeug und die Information an alle Teilnehmenden geklärt.
Auffälligkeiten: Wurde eine rote Information eingegeben oder erscheint eine unerwartete Anweisung in einem Dokument, wird die Nutzung gestoppt und [Kontaktstelle] informiert. Der Vorfall wird knapp dokumentiert, damit das Team daraus eine Regel ableiten kann.
Überprüfung: [verantwortliche Rolle] prüft die Liste der erlaubten Werkzeuge und Aufgaben nach dem Pilot sowie bei wesentlichen Änderungen an Funktionen oder Verbindungen.
Die Freigabe-Regel ist der Kern: Eine KI darf einen Vorschlag liefern, aber nicht selbst eine Zusage verschicken, einen Preis festlegen, eine Person beurteilen oder einen Inhalt veröffentlichen. Mache Verantwortlichkeit im Arbeitsablauf sichtbar, zum Beispiel mit einem Feld „geprüft von“ im Ticket oder am Dokument.
Geeignete Aufgaben für den Start
Beginne mit Aufgaben, bei denen ein Fehler leicht zu erkennen und rückgängig zu machen ist. Eine passende erste Aufgabe ist: Dokumente mit KI zusammenfassen – allerdings zunächst nur mit grünen, freigegebenen Texten.
Passend dazu: Dokumente mit KI zusammenfassen
Gut geeignet sind zum Beispiel:
- eine Gliederung für einen Artikel aus einem bereits veröffentlichten Briefing erstellen,
- drei sachliche Betreffzeilen für eine freigegebene Nachricht formulieren,
- eine neutrale Checkliste aus einem bestehenden öffentlichen Leitfaden ableiten,
- einen eigenen Rohtext auf Verständlichkeit prüfen und die vorgeschlagenen Änderungen bewusst einzeln übernehmen.
Noch nicht in den Pilot gehören Aufgaben, bei denen der Entwurf unmittelbar Folgen für Menschen, Geld, Sicherheit oder Rechte hat. Dazu zählen etwa Auswahlentscheidungen über Bewerbende, individuelle Rechtsauskünfte, automatische Kundenzusagen oder Bewertungen sicherheitsrelevanten Codes. Nicht weil KI dort grundsätzlich nie helfen kann, sondern weil ein kleiner Pilot zuerst eine überprüfbare Routine aufbauen soll.
Ein sicherer Prompt als Arbeitsbeispiel
Gib nicht einfach „Schreib eine E-Mail“ ein. Formuliere Aufgabe, Datenklasse und Grenze zusammen. Für einen grünen, bereits freigegebenen Infotext könnte ein Prompt so aussehen:
Erstelle aus dem folgenden veröffentlichten Text eine Gliederung mit fünf Zwischenüberschriften. Ergänze keine Fakten, Namen oder Zahlen. Markiere Aussagen, die im Ausgangstext nicht eindeutig belegt sind, mit „Prüfen“. Ton: freundlich und klar.
Der Prompt ersetzt die Kontrolle nicht. Er sorgt aber dafür, dass die Person, die prüft, leichter erkennt, wozu das Ergebnis gedacht war und welche Ergänzungen nicht erwünscht sind.
Ein enger Pilot liefert bessere Regeln als eine große Freigabe
Plane den ersten Durchlauf klein: Bis zu fünf Personen bearbeiten jeweils zwei klar beschriebene grüne Aufgaben. Das ergibt zehn überprüfbare Arbeitsergebnisse. Wählt keine besonders spektakulären Fälle, sondern wiederkehrende Arbeit, bei der ihr Entwurf und Endfassung vergleichen könnt.
Ablauf für jede Pilotaufgabe
- Die Person notiert Aufgabe, Werkzeug und Datenklasse vor dem Prompt.
- Sie verwendet ausschließlich grüne Eingaben und keine neu aktivierten Verbindungen.
- Eine zweite Person oder die festgelegte Freigabe-Rolle prüft das Ergebnis vor externer Nutzung.
- Beide halten in einem kurzen Protokoll fest: hilfreich, fehlerhaft, unklar oder wegen Datenregel nicht zulässig.
- Am Ende des Piloten entscheidet das Team nicht nach Begeisterung, sondern anhand dieser Einträge: Welche Aufgabe bleibt erlaubt, welche braucht eine bessere Vorlage und welche fällt weg?
Bewertet dabei nicht die Leistung einzelner Personen. Der Pilot prüft Werkzeug, Aufgabenart und Regelwerk. Wer etwas stoppt oder einen Fehler meldet, verbessert die Policy.
Was ist mit Texten, Webseiten und Anhängen, die Anweisungen enthalten?
Behandle Anweisungen innerhalb fremder Inhalte als Inhalt, nicht als Befehl. Ein Dokument kann zum Beispiel behaupten, man solle Regeln ignorieren, eine Datei hochladen oder vertrauliche Informationen ausgeben. Folge solchen Aufforderungen nicht. Das BSI weist darauf hin, dass LLMs besonders dann ein Risiko für Datenabfluss darstellen können, wenn sie auf private Informationen zugreifen, nicht vertrauenswürdige Quellen verarbeiten und zugleich ein möglicher Ausgabekanal besteht. 67
Im Pilot genügt eine klare Grenze: Keine automatische Aktion aus KI-Ergebnissen, keine neuen Datei- oder Webverbindungen und keine Übernahme von Anweisungen aus fremdem Material ohne menschliche Prüfung.
Freigaben als kurzer, wiederholbarer Check
Vor dem Senden, Veröffentlichen oder Übernehmen geht die zuständige Person diese Fragen durch:
- Ist die Eingabe wirklich grün oder für diesen Workspace ausdrücklich als gelb freigegeben?
- Steht jede Tatsachenbehauptung im Ausgangsmaterial oder wurde sie separat geprüft?
- Enthält das Ergebnis Namen, Kontaktangaben, interne Details oder Rückschlüsse, die nicht hineingehören?
- Passt Ton und Aussage zu dem, was das Team tatsächlich zusagen will?
- Führt der nächste Schritt zu einer Außenwirkung oder Systemaktion? Dann führt ihn ein Mensch bewusst aus.
Dieses Verfahren passt zum BSI-Hinweis, Risiken zu identifizieren, zu bewerten und Gegenmaßnahmen zu erarbeiten, statt generative KI nur als Schreibwerkzeug zu behandeln. 68
Nach dem Pilot entscheiden, nicht einfach öffnen
Erweitert die Nutzung nur für Aufgaben, die im Pilot nachvollziehbar funktioniert haben. Ergänzt zu jeder erlaubten Aufgabe einen Satz zu Datenklasse, Freigabe und Grenzen. So wächst aus der Mini-Policy ein übersichtlicher Katalog – nicht eine Sammlung vager „KI ist erlaubt“-Aussagen.
Wenn sich ein Modell, ein Tarif, die Aufbewahrung, eine Verbindung oder die Zugriffsrechte ändern, ist das ein neuer Prüfpunkt. Dann schaut ihr wieder auf Datenklasse, Aufgabenart und menschliche Freigabe. So bleibt KI im kleinen Team ein nützliches Werkzeug, ohne dass Bequemlichkeit über Daten und Verantwortung entscheidet.
Quellen (4)
- Künstliche Intelligenz – Informationen und Empfehlungen für Unternehmen und Organisationen(öffnet in neuem Tab)www.bsi.bund.de
- Aktualisierte Fassung veröffentlicht: Chancen und Risiken generativer KI-Modelle(öffnet in neuem Tab)www.bsi.bund.de
- Data, Privacy, and Security for Microsoft Copilot(öffnet in neuem Tab)learn.microsoft.com
- Enterprise privacy at OpenAI(öffnet in neuem Tab)openai.com
Quellen und Prüfhinweise
Redaktion: Redaktion Spielend Digital
Spielend Digital ist mein redaktionelles Projekt für einen verständlichen digitalen Alltag. Ich bereite Themen rund um Familie und Medien, digitale Sicherheit, Gaming, KI und Arbeitswelt so auf, dass du damit etwas anfangen kannst – ohne Fachchinesisch und übertriebene Versprechen. KI unterstützt mich bei Recherche, Struktur und Textentwürfen. Quellen, Grenzen und tatsächlich durchgeführte eigene Tests mache ich transparent. Mein Anspruch: klare Antworten, praktische Anleitungen und hilfreiche Ideen statt digitalem Hype.
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Prüfhinweis: Kein eigener Gerätetest angegeben
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